Als Anfänger darf man anfangen.

Als Kinder sind wir den ganzen Tag Anfänger. Wir brauchen bis zu dreizehn Monaten, bis wir Gehen wagen. Als Kleinkinder legen wir in diesem Alter täglich rund 14.000 Schritte zurück und fallen dabei 100 Mal hin. Und als Erwachsene? Glauben wir, dass wir etwas neues anfangen und sofort können müssen? Wie ich beim Schneeschuhwandern.

Ich bin ein Kind des Südens. Meine Eltern haben mich mit vier Jahren auf kurze, rutschige Plastik-Skier gestellt. Kantenlos habe ich meine ersten Skiversuche gemacht. Wie das aussieht, haben wir auf Super 8 Film Schwarz auf Weiß gebannt. Eleganz und Anmut sucht man in diesen kurzen Filmen vergebens. Denn: Nach kurzem Rutschen auf einem Mini-Hügel zieht es mir beide Beine verhängnisvoll auseinander, um eine Zehntelsekunde später plärrend auf der Nase zu landen. Immer und immer wieder absolvierte ich diese Übung bis ich Jahrzehnte später eine gute und vor allem leidenschaftliche Skifahrerin geworden bin.

An Schneeschuhe hätte ich im Leben nicht gedacht. Meine schlanken Bretter gegen tollpatschige Entenfüße zu tauschen? Kam mir nicht in den Sinn! Erst dann, als der Winter mit meinem Freund skilos bleiben sollte, weil er es nie gelernt hatte. Als die Kälte voran schritt und der Schnee die Wanderwegen immer tiefer bedeckte, probierten wir es zusammen aus. Das Schneeschuhwandern.

Klar kann Frau Alpin Schneeschuhwandern!

Was sollte denn schon dabei sein?

Doch die ersten Gehversuche erinnerten mich an meine Kleinkindertage: Ich trat mir ständig auf den Füßen herum oder stolperte über dieselbigen. Denn der an den Wanderschuh angeschnallte Schneeschuh ist viel breiter. Ok. Taktik ändern: Entengang. Beine schön breit und watscheln. Und siehe da! Es klappte. Und schon wieder hatte mein Gang nichts mit Grazie zu tun.

Da der behäbige Entengang innerhalb kürzester Zeit recht anstrengend wurde, versuchte ich Variante B – Arnie. Schreiten wie Arnold Schwarzenegger. Das gab mir mehr Stabilität, ließ mich aber immer noch sehr albern aussehen.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie fertig ich nach meinen ersten Schneeschuh-Touren war. So kaputt, dass ich es – normal gehend – fast nicht mehr zum Parkplatz geschafft hätte. Das muss man mir auch deutlich angesehen haben, denn eine Gruppe von Gleichgesinnten grinsten übers ganze Gesicht, als sie mich daher schlurfen sahen.

Größenwahnsinnig beschlossen wir, das ich mein Schneeschuwandern perfektionieren sollte und buchten vier Tage im Krimmler Tauernhaus. An den Krimmler Wasserfällen entlang geht man hoch in das Naturschutzgebiet und das offene Tal. Wunderschön ist die Landschaft! Genau wie das freundliche familiengeführte Haus. Mit regionalen Produkten, hochwertiger Qualität und köstlicher Zubereitung wurden wir hier verwöhnt.

Am zweiten Tag lehrten mich die Berge erneut, dass man als Anfängerin eben wieder anfangen darf. Ich kam bei unserer Schneeschuhwanderung fast nicht voran. Schon vom Start weg klebten meine Füße am Boden und erschienen mir Klumpen-schwer. Bei traumhaften Wetter wollten wir einen See erreichen. Ich war ganz böse, weil es einfach nicht so gehen wollte, wie ich mir das vorstellte. Bis ich begriff, dass ich mir die Anfängerin zugestehen durfte. So brachen wir ab, ruhten uns in der Sauna aus und gingen die Tour am nächsten Tag noch einmal. Schritt für Schritt, Stapfen für Stapfen erreichten wir den Gipfel und genossen die Sonne.

Einen Schritt nach dem anderen machen. Immer wieder aufstehen, wenn man auf die Nase fällt. Kleine Pausen einlegen, um die Natur zu genießen. Geduld mit mir selbst haben. Und das aller beste: Mir selbst einzugestehen, dass ich Anfängerin bin!

Dass Frau Alpin nicht alles sofort können muss,
auch wenn es „nur“ Schneeschuhwandern ist.
So habe ich den Zauber des Anfangs gespürt.
Die Freude daran, nicht perfekt sein zu müssen.

Einfach ausprobieren und Fehler machen. Das bringt die kindliche Freude zum Vorschein, die wir uns immer bewahren sollten!

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